Apothekensterben als Geschäftsrisiko: Warum die AÜ (automatische Debitorenüberwachung) für Pharma-Zulieferer jetzt entscheidend ist.

Eine Nahaufnahme von rot-weißen und blau-weißen Kapseln, die auf einem Stapel von 20- und 50-Euro-Geldscheinen liegen.

Ein Markt im Umbruch: Die tägliche Realität hinter der Statistik

In den Fluren der deutschen Pharmaindustrie kursiert eine alarmierende Information: Jeden Tag schließt in Deutschland eine Apotheke für immer ihre Türen. Was wie eine Übertreibung klingen mag, erweist sich bei genauerer Betrachtung der offiziellen Zahlen als bittere Realität. Mit 530 Apothekenschließungen im Jahr 2024 entspricht dies einem Durchschnitt von fast 1,5 Schließungen pro Kalendertag.

Diese Entwicklung ist weit mehr als eine bedauerliche Randnotiz in der Gesundheitspolitik; sie ist das Symptom einer tiefgreifenden strukturellen Krise, die den gesamten pharmazeutischen Sektor erfasst hat und direkte, gravierende Konsequenzen für die gesamte Lieferkette, von den Herstellern über den Großhandel bis zu den Zulieferern, mit sich bringt.

Dieser Trend, bekannt als das „Apothekensterben“, ist kein stiller, geordneter Rückzug, sondern eine Beschleunigung, die das Fundament der Arzneimittelversorgung und die Geschäftsmodelle der Zulieferer gleichermaßen erschüttert. Für Pharmaunternehmen und ihre Partner ist das Verständnis dieser Dynamik geschäftskritische Notwendigkeit. Die traditionellen, oft auf langjährigen persönlichen Beziehungen basierenden Geschäftsmodelle müssen hinterfragt werden, wenn das Gegenparteirisiko in einem derart volatilen Marktumfeld adäquat gemanagt werden soll.

Dieser Beitrag hat zum Ziel, eine datengestützte, vielschichtige Analyse der Ursachen und Folgen des Apothekensterbens zu liefern. Er beleuchtet die statistische Dimension des Rückgangs, analysiert die wirtschaftlichen und strukturellen Treiber der Krise und stellt die einzigartige rechtliche Risikostruktur, der deutsche Apothekeninhaber unterliegen, dar. 

Das Ausmaß des Apothekensterbens. Eine statistische Bestandsaufnahme

Um die Tragweite der aktuellen Entwicklung zu erfassen, ist ein Blick auf die Zahlen unerlässlich. Die Daten zeichnen das Bild eines Marktes, dessen Fundament erodiert und das in einem Tempo, das selbst Branchenkenner alarmiert.

Die beschleunigte Abwärtsspirale

Die Zahl der öffentlichen Apotheken in Deutschland befindet sich seit Jahren auf einem absteigenden Ast, doch die letzten Jahre markieren eine dramatische Eskalation. Ende 2022 zählte Deutschland noch 18.068 Apotheken. Ein Jahr später, Ende 2023, war diese Zahl bereits auf 17.571 gesunken. Der vorläufige Tiefpunkt wurde Ende 2024 mit nur noch 17.041 Apotheken erreicht, der niedrigste Stand seit den späten 1970er Jahren.

Was diese Zahlen besonders besorgniserregend macht, ist nicht nur der absolute Rückgang, sondern die stetig steigende Geschwindigkeit der Schließungen. Der Nettoverlust von 393 Apotheken im Jahr 2022 war bereits ein Negativrekord. Dieser wurde 2023 mit 497 Schließungen deutlich übertroffen, nur um 2024 mit einem weiteren Rekordverlust von 530 Betrieben erneut gebrochen zu werden.

Die Tatsache, dass drei aufeinanderfolgende Jahre jeweils einen neuen Rekordrückgang verzeichneten, widerlegt die Annahme einer kontrollierten Marktkonsolidierung und deutet stattdessen auf eine außer Kontrolle geratene Systemkrise hin.

Diese Beschleunigung wird auch bei unterjähriger Betrachtung deutlich. Im ersten Halbjahr 2022 schlossen 205 Apotheken, im ersten Halbjahr 2023 waren es 238 und im ersten Halbjahr 2024 bereits 283. Die Entwicklung ist nicht mehr linear und damit kaum noch prognostizierbar. Branchenverbände warnen eindringlich: „Wir sehen keinen Boden“. Für Zulieferer bedeutet diese Unvorhersehbarkeit ein massiv erhöhtes Risiko. Ein Kundenportfolio, das vor zwei Jahren als stabil galt, kann heute unerkannte, signifikante Ausfallrisiken bergen. Jährliche oder halbjährliche Bonitätsprüfungen reichen nicht mehr aus, um mit der Geschwindigkeit des Markverfalls Schritt zu halten.

Die Erosion der Versorgungsdichte

Der Rückgang der Apothekenzahl hat spürbare Auswirkungen auf die flächendeckende Arzneimittelversorgung. Im Jahr 2023 musste eine Apotheke in Deutschland im Durchschnitt 4.819 Menschen versorgen. Zehn Jahre zuvor lag dieser Wert noch bei 3.909. Diese Verdichtung erhöht den Druck auf die verbleibenden Apotheken und verlängert die Wege für Patientinnen und Patienten, insbesondere in ländlichen Gebieten.

Im internationalen Vergleich fällt Deutschland deutlich zurück. Mit nur noch rund 21 Apotheken pro 100.000 Einwohner liegt die Apothekendichte weit unter dem europäischen Durchschnitt von 32. Dieser Abstand verdeutlicht, dass es sich nicht um eine europaweite Angleichung, sondern um eine besorgniserregende deutsche Sonderentwicklung handelt.

Kaum noch Neugründungen

Ein besonders alarmierendes Signal für die Zukunftsfähigkeit des Sektors ist das Verhältnis von Schließungen zu Neueröffnungen. Es zeigt ein tiefes Misstrauen potenzieller Gründer in die wirtschaftliche Tragfähigkeit des Apothekenmodells. Im Jahr 2023 standen 559 Schließungen lediglich 62 Neueröffnungen gegenüber. Im ersten Halbjahr 2024 setzte sich dieser Trend fort: 283 Schließungen standen nur 24 Neugründungen gegenüber.Dieses extreme Ungleichgewicht belegt, dass die Attraktivität der unternehmerischen Selbstständigkeit als Apothekerin oder Apotheker gegen Null tendiert.

 Jahr

            Apotheken gesamt

                (Jahresende)

      Schließungen

             (ca.)

      Neueröffnungen

              (ca.)

 Nettoverlust

        Schließungen pro 

                 Tag (Ø)

 2022

                    18.068

             423

                30

      -393

                   1,16

 2023

                    17.571

             559

                62

      -497

                   1,53

 2024

                    17.041

             592

                62

      -530

                   1,62

Quellen: ABDA, Destatis

Diese Tabelle fasst die Dramatik zusammen: Der Nettoverlust an Apotheken steigt von Jahr zu Jahr, während die Zahl der Neugründungen verschwindend gering bleibt. 

Die Anatomie der Krise: Wirtschaftliche und Strukturelle Ursachen

Die alarmierenden Statistiken sind das Ergebnis eines toxischen Zusammenspiels aus wirtschaftlichem Druck und strukturellen Belastungen. Die Apotheken befinden sich in einer ökonomischen Zange, die ihnen systematisch die Luft zum Atmen nimmt und gleichzeitig durch operative Hürden zusätzlich belastet wird.

Eine lächelnde Fachkraft in weißer Schutzkleidung steht mit einem Tablet in einer hochmodernen pharmazeutischen Produktionsanlage.
Qualitätssicherung und Prozesssteuerung als Grundpfeiler einer stabilen pharmazeutischen Lieferkette.

Stagnierende Vergütung trifft auf explodierende Kosten

Das Kernproblem der wirtschaftlichen Misere ist eine seit Jahren andauernde und politisch verursachte Entkopplung der Einnahmen von der allgemeinen Kostenentwicklung.

Auf der Einnahmenseite ist die Vergütung für rezeptpflichtige Arzneimittel, die Haupteinnahmequelle der meisten Apotheken, quasi eingefroren. Das Honorar wurde im Jahr 2004 auf 8,10 Euro pro Packung festgelegt und 2013 nur marginal auf 8,35 Euro erhöht. Dieser Anstieg von lediglich 10,2 % über mehr als ein Jahrzehnt steht in keinem Verhältnis zur wirtschaftlichen Realität.

Auf der Ausgabenseite sahen sich die Apotheken im gleichen Zeitraum mit einer Kostenexplosion konfrontiert. Seit 2013 sind die Personalkosten um 76 % und die sonstigen Betriebskosten um 41 % gestiegen. Die Gesamtkosten erhöhten sich um 61 %, während der Verbraucherpreisindex im selben Zeitraum um 28,9 % zulegte. Diese massive Diskrepanz zwischen Einnahmen- und Ausgabenentwicklung hat die Ertragslage systematisch ausgehöhlt.

Die Folgen sind dramatisch und messbar: Der durchschnittliche Gewinn vor Steuern einer Apotheke ist von 210.000 Euro im Jahr 2021 auf nur noch 148.000 Euro im Jahr 2023 abgestürzt. Für die sogenannten „typischen Apotheken“ mit einem Umsatz zwischen 2,25 und 2,5 Millionen Euro, die das Rückgrat der Versorgung bilden, ist die Lage noch prekärer. Ihr durchschnittliches Betriebsergebnis lag 2023 bei nur 104.000 Euro, rund 30 % unter dem Branchendurchschnitt. Diese Summe muss nicht nur die private Lebenshaltung des Inhabers decken, sondern auch Investitionen, Modernisierungen und die Altersvorsorge finanzieren.

Die Konsequenz ist eine wachsende Zahl von Betrieben, die an der Grenze zur oder bereits jenseits der Rentabilität arbeiten. Aktuellen Analysen zufolge schreiben bereits 10 % aller Apotheken rote Zahlen. Weitere 24 % erwirtschaften nur noch ein knapp tragfähiges Betriebsergebnis. Das bedeutet: Jede dritte Apotheke in Deutschland befindet sich in einer wirtschaftlich gefährdeten Lage. Für Zulieferer ist dies eine kritische Information, denn ein Drittel ihres Kundenstamms ist potenziell von Zahlungsschwierigkeiten bedroht.

Die operative Überlastung

Der finanzielle Druck wird durch eine Reihe von nicht-monetären, aber ressourcenintensiven Belastungen verschärft, die die Effizienz senken und die Inhaber an den Rand der Erschöpfung treiben.

  • Fachkräftemangel: Der Mangel an qualifizierten Pharmazeuten und pharmazeutisch-technischen Assistenten (PTA) ist zu einem der größten Hemmnisse geworden. Offene Stellen können oft monatelang nicht besetzt werden. Dies führt zu einer permanenten Überlastung des vorhandenen Personals und der Inhaber selbst, was die Attraktivität des Berufsfeldes weiter mindert und eine Abwärtsspirale in Gang setzt.
  • Bürokratie: Ein überbordender bürokratischer Aufwand bindet wertvolle Arbeitszeit, die für die Beratung von Patienten und die eigentliche pharmazeutische Tätigkeit fehlt. Dokumentationspflichten, Präqualifizierungen und komplexe Abrechnungsregeln sind zu einem erheblichen Kosten- und Zeitfaktor geworden.
  • Management von Lieferengpässen: Die Bewältigung der permanenten Lieferengpässe bei Hunderten von Arzneimitteln hat sich zu einer zentralen, aber unzureichend vergüteten Aufgabe entwickelt. Apotheken wenden einen erheblichen Teil ihrer Arbeitszeit, bei fast zwei Dritteln der Betriebe sind es über 10 %,  für die aufwendige Suche nach verfügbaren Alternativen, Rücksprachen mit Ärzten und die Information von Patienten auf. Die geplante Kompensation von 50 Cent pro Managementfall wird von der Branche als völlig unzureichend angesehen und deckt den realen Aufwand bei Weitem nicht.
  • Das Nachfolgeproblem: Die Kombination aus hoher Arbeitsbelastung, erodierender Rentabilität und hohem unternehmerischem Risiko führt dazu, dass viele Inhaber, die das Rentenalter erreichen, keinen Nachfolger finden. Die Bereitschaft, sich unter diesen Rahmenbedingungen selbstständig zu machen, ist bei der jüngeren Generation kaum noch vorhanden. Banken kennen die desolate Ertragslage und sind bei der Finanzierung von Übernahmen entsprechend zurückhaltend, was die Hürden für potenzielle Nachfolger weiter erhöht.

Diese operativen Belastungen sind nicht nur Ärgernisse, sondern direkte und unkompensierte Kostenfaktoren. Jede Stunde, die ein Apotheker mit der Suche nach einem nicht lieferbaren Medikament verbringt, ist eine Stunde, in der keine umsatzgenerierende Tätigkeit stattfindet. Diese Opportunitätskosten fressen die ohnehin schon schmalen Margen weiter auf und beschleunigen den finanziellen Niedergang. Für einen Zulieferer ist es wichtig zu verstehen, dass ein Kunde, der operativ am Limit arbeitet, oft auch finanziell am Limit ist. Operativer Stress ist somit ein Frühwarnindikator für drohende finanzielle Instabilität.

Die Last der unbeschränkten Haftung

Ein entscheidender, aber oft unterschätzter Faktor, der die Krise des Apothekenmarktes maßgeblich befeuert, ist die in Deutschland vorherrschende rechtliche Unternehmensstruktur. Sie legt den Inhabern eine außergewöhnlich hohe und persönliche Risikobürde auf, die in der aktuellen wirtschaftlichen Lage zu einem Brandbeschleuniger für Schließungen wird.

Der rechtliche Rahmen: Persönliche Haftung bis zur letzten Konsequenz

Apotheken in Deutschland werden fast ausnahmslos in Rechtsformen betrieben, die eine unbeschränkte persönliche Haftung des Inhabers vorsehen. Die dominierenden Formen sind der eingetragene Kaufmann (e.K.) und die Offene Handelsgesellschaft (OHG). Das deutsche Apothekengesetz (ApoG) schreibt dies durch das sogenannte Fremd- und Mehrbesitzverbot im Kern so vor. Es soll sicherstellen, dass die Verantwortung für die Arzneimittelversorgung in den Händen von approbierten Apothekern liegt, die persönlich für ihr Handeln geradestehen.

Die Konsequenz dieser Regelung ist jedoch brutal: Im Falle einer wirtschaftlichen Schieflage haftet der Inhaber nicht nur mit dem Betriebsvermögen, sondern mit seinem gesamten privaten Vermögen.Das Eigenheim, die Ersparnisse für die Altersvorsorge, das private Auto,  alles steht zur Disposition, um die Schulden der Apotheke zu begleichen. Haftungsbeschränkte Kapitalgesellschaften wie die GmbH, die in anderen Branchen die Regel sind, sind für den Betrieb einer Apotheke explizit ausgeschlossen.

Das fatale Ungleichgewicht von Risiko und Ertrag

Dieses hohe persönliche Risiko steht in einem zunehmend unausgewogenen Verhältnis zum potenziellen wirtschaftlichen Ertrag. Wie oben dargelegt, ist der durchschnittliche Gewinn einer Apotheke stark gesunken und liegt für viele Betriebe auf einem Niveau, das kaum noch als adäquate unternehmerische Vergütung bezeichnet werden kann. Die Aussicht, für ein sinkendes Einkommen das gesamte private Vermögen und die finanzielle Zukunft der eigenen Familie aufs Spiel zu setzen, ist für viele, insbesondere für die nachfolgende Generation, nicht mehr tragbar.

Dieser Unterschied zwischen Risiko und Ertrag ist eine der Hauptursachen für das grassierende Nachfolgeproblem. Es ist keine Frage mangelnden Interesses am Beruf, sondern eine rationale wirtschaftliche Entscheidung, ein derart hohes und unkalkulierbares Risiko zu meiden. Ein potenzieller Nachfolger müsste nicht nur eine hohe Kreditsumme für die Übernahme aufnehmen, sondern dafür auch persönlich mit seinem zukünftigen Privatvermögen bürgen und das für ein Geschäft mit düsteren Ertragsprognosen.

Gleichzeitig wirkt diese Struktur als "Exit-Beschleuniger" für bestehende Inhaber. Ein Apotheker, der sich dem Ruhestand nähert und sieht, wie die Gewinne seines Lebenswerks schwinden, steht vor einer kritischen Entscheidung. Weiterzumachen bedeutet, das über Jahrzehnte angesparte Privatvermögen weiterhin dem wachsenden Risiko des Geschäftsbetriebs auszusetzen. Die logische und wirtschaftlich vernünftige Konsequenz ist oft die Schließung der Apotheke, bevor eine Insolvenz eintritt, um das private Vermögen für den Ruhestand zu sichern.

Für Zulieferer ist diese Erkenntnis von strategischer Bedeutung. Eine Apothekenschließung ist nicht immer ein verspätetes Signal einer bereits eingetretenen Zahlungsunfähigkeit. Sie kann vielmehr eine vorausschauende, risikominimierende Entscheidung des Inhabers sein. Ein Zulieferer kann sich daher nicht darauf verlassen, dass ein Betrieb bis zum bitteren Ende offenbleibt. Proaktive Bonitätsüberwachung wird somit unerlässlich, um frühzeitig Anzeichen einer wirtschaftlichen Schwächung zu erkennen, die einen Inhaber zu einer solchen strategischen Schließung veranlassen könnten.

Risikomanagement für die Lieferkette: Die Notwendigkeit der "Apotheke Bonitätsauskunft"

Die Tatsache, dass bis zu einem Drittel aller Apotheken in Deutschland als wirtschaftlich gefährdet eingestuft werden muss, ist für jeden Lieferanten ein Warnsignal. Das Risiko von Zahlungsverzögerungen, Zahlungsausfällen und plötzlichen Betriebsschließungen hat sich von einem Randthema zu einer zentralen unternehmerischen Herausforderung entwickelt.

Im Falle einer Insolvenz sind Banken und der pharmazeutische Großhandel meist die Hauptgläubiger. Während der Großhandel zumindest teilweise durch das Warenlager abgesichert ist, verfügen Banken häufig über weitreichendere Sicherheiten – oft bis ins Privatvermögen der Inhaber hinein. Andere Lieferanten hingegen stehen in der Gläubigerrangfolge weiter hinten und sehen sich nicht selten mit einem Totalausfall ihrer Forderungen konfrontiert.

In einem solchen Umfeld ist die klassische Kreditvergabe, die allein auf Vertrauen und langjährige Geschäftsbeziehungen baut, nicht mehr tragfähig. Auch ein gutmeinender Apothekeninhaber, der unter dem Druck persönlicher Haftung steht, wird im Ernstfall Entscheidungen treffen, die den Schutz seiner Bank oder seiner privaten Existenz über die pünktliche Begleichung von Lieferantenrechnungen stellen. Für den Zulieferer bedeutet das: Er erfährt von der wahren finanziellen Schieflage in der Regel erst, wenn die Zahlungen bereits ausbleiben.

Genau hier setztt die Multiauskunftei vom IHD an. Sie ist auch für Apotheken einsetzbar und bündelt die relevanten Daten aus unterschiedlichen Auskunfteien. Dadurch entsteht ein noch vollständigeres und aktuelleres Bild der wirtschaftlichen Situation. Lieferanten können so finanzielle Risiken frühzeitig erkennen, Kreditentscheidungen faktenbasiert treffen und Zahlungsbedingungen risikoadäquat gestalten.

Das Zusammenspiel der breiten Datenbasis der IHD-Multiauskunftei macht den entscheidenden Unterschied: Risiken werden nicht erst sichtbar, wenn es zu spät ist, sondern lassen sich aktiv steuern. Damit verschaffen sich Lieferanten einen wichtigen Wettbewerbsvorteil und schützen ihre Lieferkette nachhaltig.

Ein zusätzlicher Erfolgsfaktor ist das Debitoren-Monitoring. Durch die laufende Überwachung bestehender Kundenbeziehungen erkennen Lieferanten Veränderungen in der Bonität oder Zahlungspraxis sofort.

Eine Person in blauer medizinischer Arbeitskleidung nutzt einen Taschenrechner und ein Smartphone vor einem geöffneten Laptop auf einem Schreibtisch.
Betriebswirtschaftliche Analyse unter hohem Zeitdruck: Die Bewältigung operativer Belastungen im modernen Apothekenmanagement.

Die Lösung: Die datengestützte "Apotheken Bonitätsauskunft"

Um in diesem volatilen Markt zu bestehen, ist ein Paradigmenwechsel im Risikomanagement erforderlich: weg von der subjektiven Einschätzung, hin zur objektiven, datengestützten Analyse. Das zentrale Instrument hierfür ist eine umfassende Apotheke Bonitätsauskunft. Eine solche Wirtschaftsauskunft ist weit mehr als nur ein einfacher Score; sie ist ein vielschichtiges Analysewerkzeug, das ein detailliertes Bild der finanziellen Gesundheit und Zuverlässigkeit eines Geschäftspartners zeichnet

Zu den entscheidenden Komponenten einer professionellen Bonitätsauskunft gehören:

  • Bonitätsindex: Ein klarer, auf statistischen Modellen basierender Score, der die Ausfallwahrscheinlichkeit quantifiziert und einen schnellen, vergleichbaren Überblick über das Risikoniveau gibt.
  • Zahlungsverhalten: Informationen darüber, wie ein Unternehmen seine Rechnungen bei anderen Gläubigern bezahlt. Dies ist einer der stärksten Prädiktoren für zukünftiges Zahlungsverhalten und oft aussagekräftiger als Bilanzkennzahlen.
  • Jahresabschlussdaten und Bilanzkennzahlen: Eine Analyse der Bilanzen und Gewinn- und Verlustrechnungen, die Aufschluss über Umsatzentwicklung, Profitabilität, Eigenkapitalquote und Liquidität gibt. Da viele Apotheken als Einzelunternehmen geführt werden und daher keine veröffentlichten Jahresabschlüsse vorliegen, beruhen die zugrunde liegenden Werte in diesen Fällen auf fundierten Schätzungen.
  • Stammdaten: Verifizierung der korrekten Firmierung, der Rechtsform (e.K., OHG), der Inhaberstruktur und des Unternehmensalters.
  • Negativmerkmale: Harte Negativmerkmale aus öffentlichen Registern, wie Inkassoverfahren, Mahnbescheide, eidesstattliche Versicherungen oder Insolvenzanträge.

Von der Information zur strategischen Handlung

Die aus einer Bonitätsauskunft gewonnenen Daten sind nur dann wertvoll, wenn sie in konkrete, strategische Maßnahmen umgesetzt werden. Pharma-Zulieferer können diese Informationen nutzen, um ihr Risikomanagement intelligent und proaktiv zu gestalten:

  1. Risikobasierte Kundensegmentierung: Anstatt alle Kunden gleich zu behandeln, können Apotheken auf Basis ihres Bonitätsindex in Risikoklassen (z.B. niedrig, mittel, hoch) eingeteilt werden. Dies ermöglicht eine gezielte Steuerung der Ressourcen im Debitorenmanagement.
  2. Dynamische Kreditlinien: Kreditlimits sollten keine statischen, einmal festgelegten Größen sein. Sie können dynamisch an die aktuelle Bonitätsentwicklung eines Kunden angepasst werden. Verschlechtert sich der Score, wird das Limit automatisch reduziert, um die Exposition zu begrenzen
  3. Fundierte Gestaltung von Zahlungskonditionen: Eine schlechte Bonitätsbewertung liefert eine objektive und nachvollziehbare Begründung für die Forderung nach sichereren Zahlungsbedingungen, wie zum Beispiel Vorkasse oder verkürzte Zahlungsziele. Dies entpersonalisiert die Verhandlung und basiert sie auf Fakten statt auf Vermutungen.
  4. Implementierung eines Frühwarnsystems: Moderne Auskunfteien bieten Monitoring-Dienste an, die einen Lieferanten automatisch benachrichtigen, wenn sich relevante Daten bei einem Kunden ändern, sei es eine Verschlechterung des Bonitätsindex, ein Wechsel in der Geschäftsführung oder ein negativer Eintrag in einem öffentlichen Register. Dies ermöglicht ein sofortiges Handeln, lange bevor ein Forderungsausfall droht.

Der Einsatz einer systematischen Bonitätsprüfung markiert den entscheidenden Schritt von einem reaktiven zu einem proaktiven Risikomanagement. In einem Markt, in dem die traditionellen Stabilitätsanker weggebrochen sind, ist die objektive, externe und kontinuierliche Bewertung der finanziellen Gesundheit der Geschäftspartner kein Luxus mehr, sondern eine Überlebensnotwendigkeit.

Die zukünftige Apothekenlandschaft und strategische Implikationen

Während die Zahl der Apotheken schrumpft, zeigt der Gesamtmarkt eine auf den ersten Blick paradoxe Entwicklung. Das Verständnis dieser Dynamik ist entscheidend für die strategische Ausrichtung von Pharma-Zulieferern, die sich auf eine veränderte Kundenlandschaft einstellen müssen.

Das Paradoxon des wachsenden Marktes in einer schrumpfenden Landschaft

Trotz der Rekordzahl an Schließungen ist der Gesamtumsatz des deutschen Apothekenmarktes im Jahr 2024 um fast 8 % auf 55,4 Milliarden Euro gestiegen. Dieser Zuwachs wird jedoch nicht gleichmäßig verteilt, sondern ist auf spezifische Faktoren zurückzuführen. Ein wesentlicher Treiber ist der steigende Anteil von hochpreisigen Arzneimitteln und Spezialtherapeutika, die einen immer größeren Teil des Umsatzes ausmachen. Zudem trug eine temporäre Senkung des gesetzlichen Herstellerabschlags zu Beginn des Jahres 2024 zu einem statistischen Umsatzwachstum bei.

Diese Entwicklung deutet auf eine zunehmende Polarisierung des Marktes hin. Während eine kleinere Zahl von großen, hochfrequentierten oder auf Spezialgebiete fokussierten Apotheken von diesem Umsatzwachstum profitiert, geraten die kleineren, klassischen Stadtteil- und Landapotheken weiter unter Druck. Die steigende Flut hebt also keineswegs alle Boote, sie bringt die kleineren und schwächeren zum Kentern. Für Zulieferer bedeutet dies, dass die durchschnittlichen Umsatzzahlen des Gesamtmarktes die prekäre Lage vieler einzelner Kunden verschleiern können. Eine differenzierte Betrachtung der Kundenstruktur und -bonität ist daher unerlässlich.

Zukünftige Szenarien und politische Unsicherheiten

Die Entwicklung der kommenden Jahre wird von zwei zentralen Trends geprägt sein:

  1. Fortgesetzte Konsolidierung: Es gibt keine Anzeichen dafür, dass sich der Schließungstrend in naher Zukunft umkehren wird. Der Markt wird sich weiter konsolidieren, was zu einer geringeren Anzahl, aber potenziell größeren und professioneller geführten Apothekeneinheiten führen könnte. Auch Filialverbünde, die lange als Wachstumsmodell galten, sind inzwischen massiv vom Rückgang betroffen, was auf eine tiefere Krise des Geschäftsmodells hindeutet.
  2. Politische Reformen: Die Politik steht unter Handlungsdruck. Im Raum stehen Reformvorschläge des Bundesgesundheitsministeriums, die unter anderem eine Lockerung der Präsenzpflicht von Apothekern und die Schaffung von „Apotheken ohne Apotheker“ vorsehen, die von pharmazeutisch-technischen Assistenten geleitet werden könnten. Diese Pläne werden von den Apothekerverbänden vehement als „Entkernung der Apotheke“ und Qualitätsverlust für die Patientenversorgung kritisiert. Der Ausgang dieser politischen Auseinandersetzung ist offen, wird aber die Struktur und die betriebswirtschaftlichen Rahmenbedingungen des Marktes in den kommenden Jahren maßgeblich prägen.

Strategische Anpassungen für Zulieferer

Für Pharma-Zulieferer ergeben sich aus dieser Gemengelage klare strategische Imperative. Ein „Weiter so“ ist keine Option. Stattdessen sind Anpassungsfähigkeit und eine Neuausrichtung der Vertriebs- und Risikostrategien gefragt:

  • Fokus auf Key Accounts und stabile Partner: In einem polarisierten Markt wird die Bedeutung von stabilen, wachstumsstarken Kunden zunehmen. Zulieferer müssen ihre Ressourcen möglicherweise stärker auf die Betreuung von großen Apotheken, Verbundgruppen und wirtschaftlich gesunden Betrieben konzentrieren.
  • Selektivität bei der Neukundenakquise: Die Vergabe von Lieferantenkrediten an Neugründungen oder bei Inhaberwechseln erfordert eine extrem sorgfältige Bonitätsprüfung. Die hohe Ausfallrate und die Schwierigkeiten bei der Nachfolgersuche machen dies zu einem Hochrisikogeschäft.
  • Bewertung der digitalen Fitness: Die Digitalisierung, insbesondere durch die flächendeckende Einführung des E-Rezepts, wird die Spreu vom Weizen trennen. Zulieferer sollten bewerten, wie gut ihre Kunden technisch und prozessual aufgestellt sind, um an dieser Entwicklung teilzuhaben. Digitale Kompetenz wird zunehmend zu einem Indikator für die Zukunftsfähigkeit einer Apotheke.
  • Anpassung der Serviceangebote: In einem Markt mit weniger, aber potenziell anspruchsvolleren Kunden könnten Logistik- und Serviceleistungen zu einem wichtigeren Differenzierungsmerkmal werden. Effizienz, Lieferzuverlässigkeit und digitale Anbindungen gewinnen an Bedeutung.

Die zukünftige Apothekenlandschaft wird anders aussehen: weniger Betriebe, eine stärkere Konzentration und eine höhere Abhängigkeit von politischen Weichenstellungen. Zulieferer, die diese Veränderungen antizipieren und ihre Strategien entsprechend anpassen, werden in diesem transformativen Umfeld erfolgreich sein können.

Vom Reagieren zum Agieren: Proaktives Risikomanagement in einem transformativen Markt

Die Analyse des deutschen Apothekenmarktes zeigt klar: Das „Apothekensterben“ ist keine vorübergehende Schwächephase, sondern eine tiefgreifende Strukturkrise, die sich zunehmend beschleunigt. Angetrieben wird sie von chronischer Unterfinanzierung, enormen operativen Belastungen und einer rechtlichen Risikostruktur, die unternehmerisches Handeln unattraktiv macht. Das klassische Modell der inhabergeführten, wohnortnahen Apotheke steht dadurch unter massivem Druck, mit weitreichenden Folgen für die gesamte pharmazeutische Wertschöpfungskette.

Für Pharma-Zulieferer, deren Geschäftserfolg unmittelbar mit der finanziellen Stabilität ihrer Kunden verbunden ist, bedeutet dies einen Wendepunkt. Der ehemals berechenbare Markt ist brüchig geworden. Angesichts der Tatsache, dass jede dritte Apotheke als gefährdet gilt und Schließungen in unvorhersehbarem Tempo zunehmen, reicht es nicht mehr, auf Zahlungsausfälle zu reagieren. Wer erst dann handelt, nimmt Verluste in Kauf.

Der Weg nach vorn führt über aktives Handeln. Statt zu reagieren, braucht es proaktives, datengestütztes und systematisches Risikomanagement. Persönliche Beziehungen zu Apothekern bleiben wichtig, ersetzen jedoch nicht die objektive Bewertung der wirtschaftlichen Realität.

Ein zentrales Instrument dabei ist die Nutzung der Multiauskunftei des IHD. Sie ermöglicht eine umfassende, faktenbasierte Einschätzung der Bonität und liefert damit eine Grundlage, Risiken frühzeitig zu erkennen und gezielt zu steuern. In Kombination mit der spezifischen Apotheke Bonitätsauskunft entsteht ein klares Bild über die wirtschaftliche Lage des Kunden.

Die kontinuierliche Einbindung solcher Daten in den Entscheidungsprozess, etwa für die dynamische Anpassung von Kreditlinien oder die Gestaltung von Zahlungszielen, ist heute kein optionales Extra mehr, sondern ein entscheidender Baustein einer robusten Geschäftsstrategie. Wer auf Monitoring, verlässliche Auskünfte und faktenbasierte Entscheidungen setzt, sichert nicht nur seine Forderungen, sondern auch langfristig stabile Geschäftsbeziehungen in einem Markt, der sich unaufhaltsam verändert.

Nahaufnahme der Hände einer Person, die an einer PC-Tastatur arbeitet, während im Hintergrund Monitore mit komplexen Datentabellen und Finanzanalysen zu sehen sind.
Datengestütztes Risikomanagement: Die automatisierte Überwachung von Debitoren zur frühzeitigen Identifikation von Zahlungsausfällen.
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